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Die Angst der Mittelschicht vor den Integrationserfolgen der Türken 6.9.2010
Sarrazin repräsentiert die Angst der Mittelschicht vor den Integrationserfolgen der Türken, meint die taz, siehe Perlentaucher.
Stimmt eigentlich, so kann man es sehen. Sarrazin repräsentiert die Angst der Mittelschicht vor den Integrationserfolgen der Türken.
Bei der Unterschicht ist es nicht mehr nur die Angst davor, die kriegen die Integrationserfolge der Türken schon direkt zu spüren.
Merkels Realitätssinn 3.9.2010
Spiegel.de bringt lachende Kopftuchmädchen, die Jungs hatten wahrscheinlich gerade keine Zeit, und titelt: Merkel nimmt in Deutschland lebende Türken in Schutz.
In Schutz vor wem, vor ihren Brüdern und Cousins, vor dem Clan, vor dem Imam? Nein, war nur ein Witz, natürlich vor Thilo Sarrazin, der sie politisch verfolgt und vor dem man ihnen Asyl gewähren muss.
Das Merkel ist im rotrotgrünen Politbüro angekommen; so lange schönreden, bis die Wirklichkeit nachgibt.
Wo ist ihr Realitätssinn geblieben? Na genau da, sie schätzt ganz richtig ein, dass sie sonst nichts tun kann.
Klartext 3.9.2010

Das Gefährliche an Sarrazin 3.9.2010
Die Kommentare sind weitgehend einig, dass Sarrazin seinen Rauswurf verschuldet, provoziert oder sogar angestrebt habe. Man muss wohl davon ausgehen, dass Sarrazin sich nicht im Irrtum darüber befand, mit wem er es zu tun kriegt und dass nichts unversucht bleiben wird.
Dennoch hat er sich nicht davon abbringen lassen zu schreiben, was er für richtig hält. Bei aller Abfindung, kein Redaktionsheini und kein Parteibübchen von denen, die rot anlaufen, hätte so was ansatzweise in Betracht gezogen. Die Kanzlerin sollte ihm den Preis für Zivilcourage verleihen. Ach ja, Zivilcourage ist ja in der Gruppe, wo keiner verantwortlich ist, und zum ausgerufenen Termin mit Winkelementen. Das hier heißt Mut, und wo kämen wir hin, wenn das Nachahmer fände. Immerhin bleibt das Verdienst, eine Debatte angestoßen zu haben, in deren Ergebnis klar definiert ist, was man sagen darf. Unklar ist zum Beispiel: darf man sagen, es ist ein Integrationshemmnis auf moslemischer Seite, wegen Statistik beleidigt zu sein?
Einiges an den Aussagen ist in der Tat zu hinterfragen. Renate Künast sagte, es geht nicht, dass Sarrazin den Islam nicht respektiert und einen fließenden Übergang vom Islam zum Terror sieht. Damit beleidigt er alle Terroristen; die sehen keinen fließenden Übergang, und Respekt zollen muss man schon deshalb, um sich vorzumachen, es komme denen darauf an.
Zu Recht wurde herausgearbeitet, dass die Mutmaßung jüdischer Gene antisemitisch ist trotz Unterstellung höherer Intelligenz, denn die höhere Intelligenz ist es ja gerade, was den Antisemitismus auslöst.
Und wenn die Dummen sich überdurchschnittlich fortpflanzen, wieso ist Claudia Roth dann kinderlos?
Hoffnungsschimmer 2.9.2010
Verostung wird das mittlerweile genannt, wenn es in der Bundesrepublik zugeht wie in der Zone. Sowjetisierung oder Verzonung wäre treffender, aber unter Verostung können sich die meisten etwas vorstellen. Der Innenminister verbittet sich Belehrung, heute im Morgenmagazin, geradezu wie Kurt Hager, wer sich erinnert, man tapeziert nicht, nur weil der Nachbar tapeziert, demnächst wird Einmischung in die inneren Angelegenheiten gerufen.
Die Abberufung Sarrazins durch den ehemaligen Schülersprecher Wulff ist der Bierman-Fall des geeinten Deutschlands.
Wäre jedenfalls zu hoffen.
Sarrazin muss weg 2.9.2010
Was an sachlichen Gegenargumenten vorgebracht wird, findet sich zumeist im Buch selbst.
Die satanischen Verse sind weniger die, wo er zahlenmäßig und geahntermaßen Recht haben könnte, schon gar nicht die genetischen Schlenker—wenn man an die nicht glaubt, lässt man es eben bleiben, es besteht kein Risiko, dass hierdurch ein neuer Rassenwahn ausbricht zusätzlich zu dem, den wir schon haben, dem islamischen—das Gefährliche für den Zusammenhalt der Gesellschaft, wie er vom medialsozialen Komplex gewollt wird, besteht in der Glasnost-Art, mit der er sie präsentiert. Gepoltere nennen das die Getroffenen. Verfehlte Politik, das wissen wir schon, das wissen wir schon, aber die Gegenüberstellung mit dem Sprech entlarvt das Verlogene und zeigt, wie und mit welchem Aufwand es betrieben wird. Hinterher ist man unanfällig gegen das Gegabriele und die Merkelage und Schirrmacherei und wundert sich, wieso man sich das bieten lässt.
Er korrigiert Schröders Schwabbelei genauso unverfroren wie die Täuschungsmanöver aus Soziologie und Journalismus. Klar, dass alle gegen ihn standhaft aufstehen.
Die größte Provokation ist, dass er nicht wie Biermann mit der Gitarre loslegt, sondern auf derselben Ebene wie die Politexperten agiert. Ausgebürgert gehört er deshalb genauso, damit allen klargemacht wird, was man davon hat.
Erstaunlich ist, dass es möglich sein muss, beim Weg durch die Karriere den unverstellten Blick zu behalten und normal zu bleiben. Zuletzt hatte man sich darüber bei Gorbatschow gewundert. Wenn Sarrazin das kann, müssten es die anderen auch, es sei denn, sie haben hier genetische Defizite.
Der unvermeidliche Kriminologe Pfeiffer sagte im Morgenmagazin, na ja, in vielem habe Sarrazin nicht Recht, aber in manchem eben doch. Sind ja teilweise seine eigenen Forschungsergebnisse. Könnte sein, dass hier Phase 4 beginnt.
Pfeiffer meinte weiter, man müsse statt Parteiausschluss mit Sarrazin darüber streiten. Er hat verstanden, dass man unbedingt Sarrazin als Thema behalten muss und nicht etwa seine Befunde.
Und nun die Verschwörungstheorie.
Wulff hat schnell durchblicken lassen, dass er Sarrazins Ablösung unterschreiben würde. Hätte Köhler das auch? War er der erste, der dafür weg musste?
Untypischer Einzelfall 2.9.2010

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Halbrezension 1.9.2010
Vielleicht ist es wie bei Stephen King, die ersten tausend Seiten ist nichts weiter los und dann kommt der Schock. Nach Lektüre der Hälfte des bösen Buches ist festzustellen, dass die Hysteriebeauftragten ihren letzten Kampf zu fechten glauben. Der Volkssturm auf Sarrazin ist machtpolitisch nachvollziehbar, inhaltlich nicht.
Wir sollen nicht erfahren, wie der Armutsbericht ins Deutsche übersetzt klingt, oder was? Dass der Sozialstaat die Probleme zementiert? Dass Eigenverantwortlichkeit der Schlüssel zur Selbstachtung ist? War früher mal sozialdemokratisch.
Wer »Aha! Hier!« rufen möchte, weil er ein verdrängt rassisches Menschenbild hat und nach Gründen sucht, sich von dem nichts sagen zu lassen, bekommt Gelegenheit an der einen Stelle, wo er sagt, dass die Dummen ihre Gene mendelmäßig vermehren. Wie die Frau in der Bundespressekonferenz sagte: man kann die Genetik genauso gut außer Acht lassen. In der Tat sind die genetischen Zusammenhänge im besten Sinne umstritten und noch nicht abschließend erforscht, aber so allemal vertretbar als Debattenbeitrag. Man kann, wenn man an Sachlichkeit interessiert ist, entgegenhalten: so schnell wird es ja wohl nicht gehen, dass nach einem Leben ohne intellektuelle Anstrengung die nächste Generation schon degeneriert ist. Es kommt nicht auf die Genetik an, der Effekt ist zu beobachten, und es ist noch peinlicher für die Gesellschaft, wenn man davon ausgeht, dass auch diese Kinder Anlagen gehabt hätten, die bald verkümmert sind. Möglicherweise aber ist es doch so; es kann durchaus sein, dass die An- und Abschaltung von Genen Umwelteinflüsse erblich werden lässt. Hoffen wir, dass die Forschung dies nie bestätigt.
Sigmar Gabriel hat auf Kritik aus der Basis an dem Ausschlussverfahren geäußert, es gehe um dessen Menschenbild. Zu Recht, es ist wirklich gefährlich für die Politindustrie.
Man kann es zum Kaufen und Lesen empfehlen, und sei es nur, um zu verstehen, worum sich die Aufregung dreht. Vielleicht auch nur die erste Hälfte; sollte dies so sein, werde ich es mitteilen.
Einseitige unausgewogene Berichterstattung 27.8.2010
Die Berichte über den Prozess gegen Ex-Sängerin Nadja und die Bewährungsstrafe strotzen vor Ressentiments. Immer ist von ihr als eine »No Angels« die Rede, mitunter wird sie sogar als »die« No-Angels-Sängein bezeichnet, ohne dass darauf hingewiesen wird, dass sie nur eine ist und die meisten No Angels niemanden mit HIV infiziert haben und soweit bekannt nicht einmal infiziert sind. Hier werden alle rechtschaffenen No Angels unter Generalverdacht gestellt, obwohl längst bekannt ist, dass die HIV-Übertragung in keinem Zusammenhang mit der Pop-Band steht und die meisten Infektionen außerhalb der No Angels stattfinden. Wer kann jetzt noch unbefangen auf eine von den No Angels zugehen und Sex mit ihr haben? Hier wird aufs Übelste noangelsverachtend Stimmung gemacht, wir schämen uns für diese Presse.
Basta-Kanzlerin 26.8.2010
Angela Merkel, die Kanzlerin, hat Thilo Sarrazin wegen seines Buches scharf angegriffen. Es ist selten, dass ein Regierungschef in eine Literaturdebatte eingreift und ein Buch vorab rezensiert. Aber Sarrazin ist nicht gemeint. Sie will damit ihren Leuten deutlich machen, dass sich ja niemand erlaubt, vielleicht noch Sarrazin inhaltlich zuzustimmen. Soll noch mal einer sagen, die Kanzlerin lasse Führung vermissen.
Deutschland soll sich ja auch abschaffen 26.8.2010
Sigmar Gabriel will den Kanzlerkandidaten per Vorwahl volksweit bestimmen lassen. Deshalb möchte er vorher noch Thilo Sarrazin aus der SPD raus haben.
Die FAZ hat recherchiert, was an Thilo Sarrazins Buch rassistoid ist: »Kulturell ist bei ihm ein Deckwort für genetisch. Hat man dies begriffen, liest man Sarrazins Sorge um die ’kulturelle Identität’, die ’kulturelle Substanz’ und den ’Volkscharakter’ Deutschlands mit anderen, den richtigen biologischen Augen. Obwohl halb verschwiegen, tritt die These in seinem Buch klar hervor: Die islamische Immigration nach Deutschland muss gestoppt werden – und zwar aus ’letztlich’ genetischen Gründen.«
Tja, wenn man genetisch für kulturell einsetzt, wird es ziemlich angreifbar. Dann lässt man es eben bleiben und versteht die »letztlich« genetischen Gründe gegen die islamische Eiwanderung als kulturell?
So einfach ist es leider nicht, denn hier trifft Sarrazins Argumentation auf das herrschende Verständnismuster, und das hat das Deckwort kulturell für genetisch vorgegeben. Wir, die Guten, finden die süßen kleinen Randgruppen so schön ethnisch und wollen, dass sie ihre herkunftsbedingte Identität doch bitte beibehalten, denn sie gehören nicht zu uns, aber im Unterschied zu den Rassisten meinen wir das im positiven Sinne. Wir wollen die niedrigeren Kulturen gleichberechtigt, wir wollen den unteren Rassen unsere Kultur nicht zumuten. Rassismus ist, wenn man das nicht als Bereicherung deklariert.
Auf das vorgegebene Verständnis »die sind eben so« trifft Sarrazins Befund: »nämlich folgendermaßen«.
Etwa anderes als pauschale diffamierende holzschnittartige vorurteilsgeladene Reaktionen sind kaum zu erwarten. Das Pauschalisierende seines Buches, in dem er sich nach allem, was bis jetzt bekannt ist, präzise ausdrückt, liegt im Auge des Betrachters. Was kommt, sind Assoziationen, keine Widerlegungen. Zu widerlegen gibt es nichts, der Zustand, den er beschreibt, ist genau der, den man gewollt hat, nur unter anderen Namen und anderen Bewertungen.
Wem dazu NPD einfällt, hat ganz recht: die Verharmlosungen, Verniedlichungen, Verknuschelungen sind nichts weiter als Wahlwerbung für die NPD.
Provokateur 26.8.2010
Der Vorwurf, ein Provokateur zu sein, kann Gefahr bedeuten, jedenfalls in einem despotischen System. Im freiheitlichen System besetzt der Provokateur eine Planstelle, er verschafft dem gelangweilten Publikum Reize, die es für Schocks hält. Den Kapitalismus und die Kapitalisten kann man gefahrlos provokant kritisieren und sehr gut davon leben, ein paar neue Schlingensiefs sehen ihre Chance gekommen. Wenn Thilo Sarrazin für seine Thesen als Provokateur bezeichnet wird, lässt dies den Schluss auf ein despotisches Teilsystem zu.
Seine Provokation liegt dabei weniger in dem Verstoß gegen die politische Korrektheit als in der Unverfrorenheit, mit der er sie vorbringt. Er kümmert sich wohl gar nicht um die Meinung der rotrotgrünen Kanzlerinnenmehrheit und die limbischen Gefühle der Verbandsmigranten. Deshalb muss an ihm das schwerstmögliche Exempel statuiert werden; allen, die nicht im selben Maße wie er sozial abgesichert sind, muss klargemacht werden, dass man dies tunlichst bleiben lässt.
Veranstaltungshinweis 25.8.2010 Rudi Hurzlmeier im Cartoonmuseum Basel

Lesung am Donnerstag, 2. September 2010 ihm und dem ehemaligen Titanic-Chefredakteur Oliver Maria Schmitt. Das Buch, auf dem die Lesung basiert, heißt »Das Urknall-Komplott« und handelt von einer außergewöhnlichen, fiktiven Forschervita sowie von skurrilen, humorvollen Weltraumtheorien.
Cartoonmuseum Basel | St. Alban-Vorstadt 28 | CH-4052 Basel
Was, ist der Islam jetzt eine Religion? 21.8.2010
Wenn es gut gemeint wird mit unserer Partnerreligion, werden üblicherweise gleiche Rechte wie die Kirchen und alle anderen als vom Grundgesetz garantiert angesehen. In dieser Argumentation zeigt sich, wie sehr man sich von der Vorstellung der Gleichheit leiten lässt. Die Religionsfreiheit als Grundrecht bedeutet, jeder kann glauben, was er will, und der Staat hat hier keine Vorschriften zu machen. Sie bedeutet nicht ein Gleichstellungsgebot oder einen Antidiskriminierungsgrundsatz der Religionen und ihrer Institutionen. Wir hätten nur immer gern, dass der Staat Ungleichheiten ausbügelt, weil Ungleichheiten das Resultat einer Benachteiligung sein müssen.
Eine zweite Argumentationslinie geht so: Bei uns aber auch. Oder: Die katholische Kirche hat auch. Oder: In Guantanamo. Die Nazis. Eigentlich müsste sich diese Rhetorik von selbst widerlegen, tut sie aber nicht, deshalb muss es hier geschehen: Solche Argumente hätten nur einen Sinn, wenn man das bei uns oder in der Kirche oder bei den Zionisten gut finden würde. Da es niemanden gibt, der ernstzunehmenderweise die spanische Inquisition gut findet, offenbart sich ein solcher zur Relativierung vorgebrachter Vergleich als Aufrechnung. Als ob jetzt eben die dran wären und wir schon hatten. Ehrenmord gibt es auch bei uns ... ja blöd, es ist ja bei uns.
Das Bundesverfassungsgericht entscheidet nicht darüber, ob ein Kunstwerk wirklich eins sei, solange es als solches gemeint ist. Deshalb gilt Jonathan Meese als Künstler. Es darf auch nicht eine Religion auf ihren religiösen Gehalt prüfen, solange sie sich selbst als Religion sieht. Aber wir dürfen das. Wer sagt, Vorbehalte gegen den Islam resultierten aus zu wenig Wissen, möge sich mal mit Originalstoff befassen, nicht mit Sekundärpropaganda, und dann sagen, was daran religiös sein soll und wie man es fertigbringen solle, keine Vorbehalte zu entwickeln, etwa aus dem real existierenden Islam oder der Lebenspraxis der islamischen Staaten?
Dessenungeachtet steht jedem frei, als spirituelle Bezugsperson Allah anzusehen und daraus abgeleitet ein frommes Leben zu leben. Wer bei uns festgehalten wird, darf auch Moscheen bauen. Aber wer kommt und sagt: Wir glauben, dass Frauen eingewickelt gehören und dass Steinigungen in Ordnung sind, dem müsste man sagen: Tja und wir glauben, das du ein krankes Schwein bist.
Was glaubst du 19.8.2010 Martin Herrmann
Neulich auf BR: Werner Schmidbauer hörte unter einem Gipfelkruzifix einem Bergbauern zu, war aber die ganze Zeit nicht richtig bei der Sache und irgendwann hat er die Hosen fallen lassen, hat seinem Herzen Luft gemacht und gefragt: »Glaubst du?« Glaubst du - dem Bergbauern hat’s nichts ausgemacht, er hat frei loserzählt. Glaubst du - da würde ich mich fühlen, als ob mir ein Jesuit in die Hose packt. Diese Gier nach Intimem, dieser tastende, krallende Zugriff auf Privatestes, scheinheilige getarnt als trendige Bekennersüffigkeit: Glaubst du? Da könnte er genausogut fragen: onanierst du? He, das geht dich einen Scheißdreck an, Schmidbauer. Wenn einer da ja sagt, weißt du immer noch nichts. Ja sagen kann jeder, aber was der genau glaubt, kommt nie raus. Nur eines ist sicher, irgendwann muss jeder dran glauben.
Und dann ging’s um ein Leben nach dem Tod.
Dass es das gibt, kann man nur hoffen. Wenn es einen Gott gibt, wird den Besserglaubis hinterher noch richtig eingeschenkt. Die machen uns doch schon in diesem Leben die Umwelt kaputt. Eigentlich beten all diese wegen ihres eigenen Vorteils Glaubenden an den Teufel. Wer an eine Hölle glaubt, also an den Unterschied im Belohnen nach dem Tod, der betet zum Teufel. Wenn Gott allmächtig ist, weiß der doch schon in dem Moment, in dem du die Erde betrittst, wie dein Lebensweg verlaufen wird, ob du am Ende Himmel oder Hölle verdienst. Warum lässt er dich armen Sünder dann erst ein Menschenleben über diesen Planeten wandeln? Warum schickt er dich nicht gleich in die Hölle zur ewigen Qual? Wer an die Hölle glaubt, hält Gott nicht für allmächtig, sondern für einen Zocker mit Veranlagung zu extrem grausamem Lustgewinn.
Das ist das mindere Prinzip. Ich glaube, dass das mindere Prinzip nicht erkannt wird, weil die Menschen zu bequem sind. Die wählen das billige Schema, das sich Ami wie Taliban auf die Flagge pappen: we are the Champions. So outet sich Religion und religiöse Massenveranstaltung als militärische Einrichtung. Religionsausübung war immer nur ein militärischer Appell: Antritt, Exerzieren und Sichtung der Divisionsstärke. Die einen führen ihre Gymnastik in Richtung aufgehende Sonne durch, die andern beugen rhytmisch das Knie oder wirken als Doppelagent und verraten seelische Geheimnisse an die gierigen Ohren des Widersachers.
Das erlaubt Zugehörigkeitsgefühl. Die Himmel und Hölleglauber sind so geheimnisfrei, die würden wegen dem Gruppenerlebnis lieber zu den anderen ins Höllenfeuer sitzen, wenn die Alternative ewige Selbsterkenntnis wäre.
Ewige Einsamkeit ist das Los eines Allmächtigen. Keiner kann ihm das Wasser reichen, er kennt alle Witze, bevor sie erzählt sind, und er weiß schon, bevor er auf BR zappt, was der glaubensselige Schmidbauer für einen Mist zusammenfragt. Arme Sau eigentlich.
Sache des Glaubens 18.8.2010
Wenn die Moschee nahe dem Ground Zero ein Zeichen für gegenseitigen Respekt und Toleranz und was sein soll, warum nehmen die Betreiber dann die Bedenken der US-Bevölkerung nicht ernst? Sie könnten doch sagen: Hm, wir haben es gut gemeint, aber wenn es bei den einen Teilen der Bevölkerung nicht gut ankommt und bei den anderen auch nicht, aber sie wollen die verfassungsmäßigen Rechte nicht in Frage stellen, dann war es vielleicht doch keine gute Idee, Willy Brandt hat in Warschau auch kein Wirtshaus gebaut, dann tolerieren und respektieren wir doch lieber von woanders aus.
Könnten sie, tun sie aber nicht, und niemand scheint es in Betracht zu ziehen, dass man dies normalerweise erwarten könnte. Eine Erwartung könnte schon reizen. Das Recht auf Glaubensfreiheit erfasst mittlerweile den Anspruch, dass einem geglaubt wird.
Neues vom Täuscher 11.8.2010
Eimann Matzieck, richtig geschriebene Namen sind Werbung, findet den Termin der Terrormoscheeschließung in Hamburg unpassend wegen demnächst Ramadan, hat aber Verständnis für das Vorgehen oder besser gesagt äußert Verständnis, wenn eben Leute gegen Gesetze verstoßen haben. Na wenn er da mal nicht einen Zusammenhang zwischen Islam und Generalverdacht herstellt, sagt er doch nichts anderes als: das sind unsere Leute, wir haben noch mehr davon, verstoßen haben sie vielleicht gerade mal gegen örtliches Gewohnheitsrecht.
Was soll er auch sonst sagen. Ohne die mitschwingende Gewaltdrohung würde ihn keiner ernst nehmen. Würde er sagen, he Leute, das war gar gar keine Moschee, sondern nur eine Tarnung für Leute, die mit uns nichts zu tun haben und mit denen wir nichts zu tun haben wollen—er würde den Rückhalt in der linkstoleranten Bevölkerung verlieren, die darauf aus ist, keinen Generalverdacht aufkommen zu lassen.
Solange ein Generalverdacht nicht formuliert wird, kann er ruhig bestätigt werden.
Seltsam ist nur, dass noch niemand die Gelegenheit wahrgenommen hat, von der Schließung der Moschee eine Parallele zu ziehen zu den brennenden Synagogen. Hagen Rether kann wahrscheinlich auch nicht so schnell reagieren.
Voller Ernst 10.8.2010
Gegen Absahner, die aus der Bewirtschaftung der Armut und des Armutsrisikos und der Angst vor Armutsrisiko und der Sorge vor dem Abstieg auf die Angst vor Armutsrisiko reich werden, wird gern vorgebracht, sie predigten öffentlich Wasser und trünken heimlich Wein, weil das Heine so schön und damals trefflich gereimt hat. Den heutigen Gerechtigkeitsbonzen kann man das jedenfalls nicht vorhalten. Nein, sie predigen Champagner für alle und fangen schon mal selbst damit an.
Inkurabel 9.8.2010
In Focus debattiert ein Bestsellerautor, man möge die Politischkorrekten therapieren, wozu man nur zustimmend nicken kann oder je nach Stimmung aufspringen und ausrufen: »Endlich sagt‘s mal jemand.«
Die zentrale Begründung lautet: ist langweilig, so geht nichts vorwärts.
Das Argument der Langeweile ist natürlich in der Amüsiergesellschaft ein allgemein verständliches. Wer gegen Langeweile ist, hat Recht.
Indes könnte man wirklich froh sein, wenn die Langweiligkeit das Problem wäre.
Die Politische Korrektheit dient, auch wenn sie nicht wie die political corretness der Staatsraison entspringt, dazu, anderen Stress zu machen. Sie ist ein mikrodespotisches Instrument auf neurotischer Grundlage. Mittels ihrer kann man Stress von sich auf andere verschieben, darin besteht ihre Attraktivität.
Langweilig daran ist, dass die Vorwürfe, die man an andere richtet, genau dem entsprechen, was man selbst an sich vorfindet, aber nicht wahrhaben möchte. Mit an absolute Sicherheit grenzende Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass jemand, der »Rassismus« ruft, dies aus einem rassischen Verständnis des Menschen heraus tut, wer »Islamophobie« feststellt, eigentlich Angst vor dem Islam hat und diese zu bannen trachtet, wer den Kapitalismus kritisiert, hinter Geld her ist, wer Pazifismus predigt, kein Problem mit Gewalttätigkeiten hat, wer gegen Überwachung loslegt, auf Kontrolle anderer aus ist uns so fort. Es wäre mal weniger langweilig, könnten die Rassisten gegen die Frauenfeindlichkeit wettern und die Intoleranten gegen Geld.
Doch bei der Langeweile bleibt es leider nicht. Die politischkorrekte Rhetorik hat Opfer. Opfer ohne Verbrechen, denn niemand kann etwas dafür, zu allerletzt die Geduldigen. Die Therapie hätte Verantwortlichkeit zur Folge. Deshalb hat sie keine Aussicht auf Erfolg.
Pazifistische Kollateralschaden 9.8.2010
Jürgen Trittin ist erschrocken, dass Leute, die mit Militär gar nichts zu tun haben, zur Zielscheibe solcher Anschläge werden, Sigmar Gabriel sieht bestätigt, dass eine militärische Befriedung nicht möglich ist, so dass man auf politischem Wege zur Stabilisierung kommen müsse.
Zu Guttenberg könnte auch noch kommen und sagen, so was bedroht nicht die internationale Sicherheit, und Gysi sagt schon immer, dass die Helfer keine Soldaten brauchen.
Gerade diese Verknuschelungen haben die Helfer in das Leben gekostet. Sie glaubten zu helfen und dadurch zur Entmilitarisierung des Konflikts beizutragen. Margot Kässmann hat mitgeschossen. Nichts ist gut in Afghanistan und deshalb muss das Militär weg. Die Helfer mussten annehmen, mit ihrer Hilfe etwas zum Frieden beizutragen und deshalb nicht zur Zielscheibe von Taliban zu werden, die ja nur von sozialen Ursachen und
Kritik am Westen getrieben werden.
Selbst wenn es keine Taliban waren, sondern fremdenfeindliche Räuber, das Bekenntnis der Taliban ist ein authentisches Dokument. Sie haben kein Interesse an medizinischer Hilfe, Ärzte sind eine größere Provokation als die Bundeswehr.
Wie Jürgen Todenhöfer bewundernd feststellte, sind die Afghanen geborene Kämpfer. Aufbauhilfe ist eine Beleidigung. Die politische Stabilisierung bedeutet nichts weiter, als dass Helfer wie vor neun Jahren vor ihrer Tötung noch ein Urteil bekommen.
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